Von den Griechen lernen?

Bei den Griechen kann man derzeit beobachten, wie man sich am eigenen Schopf aus der Misere zieht, wenn man sich auf seine Stärken besinnt. Das Agrikulturvolk, das global Spitzenplätze in der Produktion von Schafskäse, Oliven(öl), Kiwis und Pfirsichen belegt und auch mit vielen weiteren Feldfrüchten aus heimischer Produktion aufwarten kann, schaltet den teuren Zwischenhandel und die importierten Konkurrenzprodukte aus und organisiert via Internet den Direktverkauf (Artikel vom 29.6.12 in Spiegel online).

Ein Blick auf unseren von bäuerlicher Landwirtschaft und kleinen Produktionsstrukturen geprägten Landkreis wirft die Frage auf: Wieviel Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch, Backwaren usw. mögen wohl von außerhalb in unseren Landkreis importiert und verkauft werden – und damit die heimische Wertschöpfung schmälern? Und wenn diese Nachfrage angeregt würde, würden dann nicht weitere Nischen erschlossen und neue Produkte entwickelt werden?

Genau um dieses Thema kreisen wir gerade mit den Plänen zur Einführung einer Regionalwährung. Die bestehende Stoffströme sichtbar machen kann, die identitäts- und bewusstseinsbildend wirkt und die anregt, brachliegende Ressourcen zu erschließen und auszubauen.

Dazu gehört die Bildung und Weiterentwicklung von Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften: Viele im Landkreis verteilte Stationen auf  Höfen, die dort ihre Produkte und die von Partnerbetrieben zur Abholung anbieten. Die Menschen, die sich dort versorgen, sorgen gleichzeitig durch ein vereinbartes Maß an Verbindlichkeit für die nachhaltige Stabilität und Weiterentwicklung  “ihres” Betriebes. Schrittweise befreien wir so unsere Erzeuger vor Ort vom Preisdiktat des Großhandels und durch die globale Spekulation mit Lebensmitteln.

Auch Privatleute könnten so ihre Überschüsse aus dem Garten zu Markte tragen. Dazu alle möglichen Alltagsdienstleistungen, die das Zusammenleben erleichtern und bereichern.

Kommt sicher vielen von euch bekannt vor, Stichwort Tauschring, und auch Ansätze zu einer Regionalwährung hat es bereits gegeben. Manches braucht seine Zeit zu reifen. Aber es wäre dumm, so lange warten, bis uns zentralisierte Strukturen aufgezwungen werden, die regionale Aktivitäten eher erschweren.

Auf geht’s! Vielleicht gibt’s die ersten Äpfel schon in diesem Jahr für Regiogeld zu kaufen. Und wer bringt das Kultprodukt Apfel mit X-Abzeichen auf den Markt?

4 Gedanken zu “Von den Griechen lernen?

  1. Menschen in Lüchow, Dannenberg oder Gartow werden zum Einkaufen kaum “aufs Land” rausfahren, sondern weiterhin gerne mal eben in den Laden in ihrer Nähe gehen. In dem dann nach und nach auch immer mehr gute regionale Produkte angeboten werden.
    Ansonsten ist das Pferd mit der Maßgabe “Arbeitsplatzerhalt” an oberster Stelle mE grundsätzlich falsch aufgezäumt. Müssen wir nicht als erstes fragen, was ist das Vernünftigste und dient den Menschen im Landkreis am besten – und dann, wie kriegen wir das bewerkstelligt? Die sich daraus ergebende Arbeit (ob sie als “Arbeitsplatz” oder in einer flexibleren Form gestaltet wird, hängt vom konkreten Bedarf nicht zuletzt der Arbeitenden ab) ist dann sinnvoll und nachhaltig. Und wird dem tatsächlichen Bedarf weiterhin angepasst, in Abstimmung mit angrenzenden Angeboten und Dienstleistungen.
    Die Lösung für alle liegt also sicher nicht darin, dass jeder direkt beim Erzeuger einkauft, sondern auch in intelligenten Vertriebskonzepten an Zentralen wie die normalen Geschäfte.

    • Es ist so, dass die Läden in den großen Orten unseres Landkreises von den Kunden aus den Dörfern generieren und von den Menschen aus dem jeweiligen Ort kaum existieren könnten. Das Thema “Arbeitsplatz” ist sehr wohl existenziell für wohl fast jedem von uns und kann nicht “flexibel” gestaltet werden, weil jede/r seine laufenden Kosten decken muss. “Vernünftig” wäre aus meiner Sicht, wenn möglichst regional eingekauft wird, sowohl im Bio- als auch im konventionellen Bereich. Leider werden noch viel zu oft Bio-Produkte beim Discounter oder Supermarkt gekauft und dies nicht alleine aus finanziellen Gründen, sondern aus Bequemlichkeit. Gleichzeitig gibt es leider zu viele Verbraucher, die bei den Bio-Läden über Preisnachlässe verhandeln möchten. Ob sie das bei Lidl oder REWE auch machen? In meinem Betrieb arbeiten sieben MitarbeiterInnen und auch bei den anderen Bio-Läden werden viele Existenzen gesichert. Deswegen ärgert es mich, wenn einerseits über regionale Wertschöpfung diskutiert wird und andererseits Einkaufsgemeinschaften, Mitgliederläden u.ä. gegründet werden, um “schön billig einzukaufen”.

      • “Billig einkaufen” steht hier nicht im Vordergrund, sondern eher, auch für Kleinanbieter, die sonst nicht zum Zuge kämen (weil sie nicht über den Großhandel anbieten können bzw. die passende Logistik fehlt), Margen zu realisieren, von denen sie leben können.
        Dass das Ganze für alle, die in diesem Versorgungsprozess beteiligt sind, Sinn machen muss, ist klar. Ich denke aber, wir sollten nicht an die erste Stelle setzen, bestehende Strukturen und Denkmuster zu zementieren. Wir werden Lösungen finden und dazu in engem Kontakt bleiben!

  2. Wenn viele Erzeuger-Verbraucher Gemeinschaften im Landkreis aufgebaut würden, wäre einige Existenzen im Handel gefährdet und eine Menge Menschen arbeitslos und zwar nicht die Lidls, sondern diejnigen, die auf regionale Wertschöpfung Wert legen. Bitte bedenkt das!

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