Regiogeld ist eine Art Gutscheinsystem, mit der Waren und Dienstleistungen in einer festgelegten Region getauscht werden können – unter den Anbietern und Kunden, die sich dem System anschließen. In der Regel ist der Regiogutschein eurogedeckt und wird im Kurs 1:1 an den Ausgabestellen eingetauscht.
Entscheidend ist: Das Gutschein- oder Geldsystem ist zinslos und enthält somit keinen Anreiz, es anzusammeln und damit dem Wirtschaftskreislauf zu entziehen. Im Gegenteil haben viele dieser alternativen Systeme sogar einen gewissen Wertverlust mit eingebaut, der als Anreiz dient, das Alternativgeld möglichst schnell wieder auszugeben – und damit den Wirtschaftskreislauf einer Region in Schwung zu halten.
Ein solches Regio-Gutscheinsystem stärkt Wirtschaft und Sozialsystem einer Region auf verschiedene Weise:
- Die Nutzung des Regio beim Einkauf führt dazu, dass das “Geld” in der Region bleibt und verstärkt die Nachfrage nach regionalen Angeboten. Die Wertschöpfung vor Ort wird verstärkt, die Entwicklung neuer Angebote, die vorher “importiert” wurden, gefördert. Auf diese Weise entstehen engere Bindungen zwischen Erzeugern und Verbrauchern und mehr bezahlte Arbeit in der Region, es entwickelt sich eine Aufwärtsspirale.
- Die Trennung von “Produzenten” und “Konsumenten” wird aufgebrochen, im Regio-Gutscheinsystem ist der einzelne Teilnehmer “Prosument”: Er kauft seinen Alltagsbedarf mit dem Regiogeld ein und bietet selbst wiederum Leistungen gegen Regios an, wie in einem Tauschring. So können Menschen wieder aktiv am Wirtschaftskreislauf teilnehmen, die im konventionellen Geldsystem davon ausgeschlossen sind – und tragen auf diese Weise dazu bei, die Region zu stärken.
- Die Stoffströme, die Waren- und Dienstleistungsflüsse in der Region werden sichtbarer gemacht. Die eigene Wirkmächtigkeit wird bewusster und zeigt sich unmittelbar im wachsenden Handlungs- und Gestaltungsspielraum des Einzelnen. Die enger werdende Verflechtung eines Netzwerks von Prosumenten trägt bei zur Identifikation mit der Region und der ideellen und materiellen Stärkung ihrer Strukturen.
- Auf diese Weise wird die ganze Region selbständiger, krisenfester, auch unter schwierigen Bedingungen leichter in die Lage versetzt, sich selbst zu versorgen – und darüber hinaus eine wichtige Versorgungsstütze der Ballungsgebiete. Man spricht hierbei von der “Resilienz“, der Widerstandsfähigkeit einer Region.
Es gibt in Deutschland mittlerweile um die 70 Regiogeld-Initiativen. Die älteste startete 2001 in Bremen mit dem Roland; die bekannteste ist wohl der Chiemgauer, der seit 2003 existiert. Im Landkreis Lüneburg wird mit dem Lunar gewirtschaftet, in Hamburg bereitet man die Hansemark vor.
Ein Überblick über verschiedene Systeme ist unter regiogeld.de zu finden.
Ein älteres eindrucksvolles Beispiele ist z.B. das Freigeld von Wörgl, das in den Krisenjahren 1932/33 half, die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in der österreichischen Region wesentlich zu mildern.
Zur selben Zeit entstand in der Schweiz das zinslose Buchgeldsystem des “WIR”, das bis heute existiert und ein Netzwerk von ca. 60.000 kleinen und mittleren Unternehmen umfasst (informative Seite mit Einführungsvideo).
In unserer Regiogeld-Gruppe planen wir für Lüchow-Dannenberg zum Einstieg ein einfaches, Euro-gekoppeltes Gutscheinsystem, das verbunden ist mit einer Bürgerstiftung als Ausgabestelle. Diese wiederum kann mit dem eingetauschten Geld arbeiten und Initiativen vor Ort unterstützen. So kann das Regiogeld auf doppelte Weise zur Stärkung der Region beitragen.
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Auf SWR2 ist ab heute, 5. Juli, eine aktuelle Radiosendung zum Thema zu hören: “Wer regiert das Geld? Margrit Kennedys Kampf für alternative Geldsysteme”.