Danke für die Zusammenfassung der Diskussion um Fortbestand oder Abschaffung des Verwaltungsgebildes Lüchow-Dannenberg.
Meine Haltung dazu ist unentschieden. Die reine Faktenlage ist mir zu dünn, die Hauptmotive scheinen mir in einer Art Heimatliebe zu liegen, die nostalgische Züge trägt.
Auch der lange Artikel von Sydow ist eher von dieser Gefühlslage getragen als von einer kompetenten Analyse der realen Situation. Die fehlt mir bislang generell.
Ich möchte ein Beispiel dafür nennen, wie diese Fokussierung auf den eigenen Kirchturm nachhaltig verhindert hat, den Landkreis zukunftsorientiert weiter zu entwickeln: Die Schullandschaft.
Auch in der Jamelner Versammlung hat dieser Aspekt offenbar kaum eine Rolle gespielt, das Stichwort Schule taucht nur einmal auf – “Schwimmbad” scheint genauso bedeutsam zu sein. Ein Zeichen dafür, dass auch die Kreisrettungsinitiative eher auf die guten alten Zeiten zurückblickt als auf die zukünftigen Kinder und Jugendliche, die hier heranwachsen werden.
Seit mehr als einem Jahrzehnt ist bekannt, dass die demografische Entwicklung eine Neuorganisation erfordert, um für zukünftige Schülergenerationen ein Ausbildungsmöglichkeiten anbieten zu können, die denen in den dichter besiedelten Regionen vergleichbar sind. Die Kreis hat sich dieser politischen Aufgabe, man kann es nicht anders formulieren, verweigert. Jede Gemeinde hält mit Klauen und Zähnen an ihrer Schule fest. Eine frühere Initiative scheiterte daran, eine zweite hat kaum neue Ansätze hervorgbarcht.
Statt beispielsweise eine zentralen Sekundarstufe einzurichten, die auf die gesamten Schülerzahlen des Kreises entsprechend Profile und Kurse optimiert anbieten kann, beharren alle – und damit sind auch viele Eltern gemeint – auf den Weiterbestand der bisherigen Zwerggymnasien mit einem jeweiligen Basisangebot.
Und als ob dies allein nicht schon blamabel genug wäre: Vor den Eltern, die ihre Kinder auf Schulen in den Nachbarkreisen schicken möchten, wurden die Schlagbäume gesenkt. Das hat seinerzeit niemanden gestört und stört auch jetzt niemanden, hier will man jedes Kind auch gegen den Willen der Eltern in den Kreisgrenzen halten.
Allein das wäre für mich ein Grund, die Kreisgrenzen endlich aufzulösen. Leider ist der östliche Kreis Lüneburg auch dünn besiedelt, aber immerhin wäre es dann möglich, schulisch nach Westen auszuweichen.
Die Schullandschaft des Kreises ist nicht nur nicht zukunftsfähig, sondern auch ein weicher Standortfaktor, der abschreckend wirkt. Man kann Familien nur den Rat geben, sich im Interesse ihrer Kinder hier nicht anzusiedeln. Und wenn sie hier schon wohnen und kleine Kinder haben, rechtzeitig einen anderen Wohnsitz zu suchen.
Die Jamelner Versammlung scheint sich allerdings eher auf die Interessen der älteren Bürger/innen konzentrieren zu wollen – um den eigenen Kirchturm soll alles so bleiben wie es ist. Und das Nummernschild am Auto auch.
Also nichts Neues in der Kreispolitik.
Beste Grüsse, Wolf-Rüdiger Marunde
Ja, genau das ist die Krux: Sowohl Marunde als auch Metk haben recht. Der eine sagt, in so dünn besiedelten Regionen kann nicht jede Zwergschule bestehen bleiben, der andere fragt “wo sollen Kinder lernen?” und hält Schulwege von einer Stunde und mehr für unzumutbar. Alles richtig- und doch…Wir sind leider nicht bei “Wünsch dir was” sondern bei “So isses!”- will sagen, das Wünschenswerte ist, selbst bei bestem Willen aller Beteiligten, nicht finanzierbar. Dabei geht es nicht nur um Schulen, sondern natürlich auch um Straßen, Schwimmbäder, das Verdo- um ein paar Beispiele zu nennen. Das sich in so einer Lage (fast) alle um ihren kleinen Kirchturm scharen ist zwar verständlich, aber nicht sehr klug. Diese Haltung wird in letzter Konsequenz genau dazu führen, was sie eigentlich verhindern will: Irgendwann kommt eine Zwangsfusion und je weiter weg die Regierung samt Verwaltung dann agiert, desto weniger Rücksicht auf kleine, gewachsene, aber teure Strukturen wird es geben.
Der einzige Ausweg heißt tasächlich einige Kleinstschulen zu schließen, sowie intelligente Organisation von Nahverkehr mit kleineren, flexibleren Bussen (oder auch dörflichen Fahrgemeinschaften) und immer wieder Kooperation über Gemeindegrenzen hinweg.
Aber auch das wird die strukturelle Unterfinanzierung des LK nicht wirklich beheben. “Über das Brot, das in der Küche fehlt, wird nicht in der Küche entschieden!” (Berthold Brecht/Die Mutter) Flächenkreise wie dieser brauchen einfach mehr Geld und das wird irgendwo abgezwackt werden müssen- heißt Verfassungsklage gegen Land und Bund und, bei entsprechendem Ausgang, Heulen und Zähneklappern in diversen Metropolenregionen, ihren “Leuchttürmen” und lieb gewonnenen Infrastrukturen.
Und bis dahin könnten sich vielleicht die vielen Zugereisten, die die hiesige Idylle als Krafttankstelle oder Quelle der Inspiration nutzen überlegen, wie ihr Beitrag zum Leben auf den Dörfern aussehen könnte. Was wiederum von den “Eingeborenen” einiges an Geduld, Toleranz und Mut zu neuen Wegen bedeutet.
Mal ein paar Fragen in die Runde:
Wieviele Architekten, Journalisten, Künstler der verschiedensten Gewerke leben und erholen sich hier? Wie viele Ferienhäuser jeglicher Größe werden von durchaus begüterten Menschen genutzt? Sie schätzen die Weite und Ruhe- wie könnte diese Menschen einen Beitrag dazu leisten, dass es so bleibt und die Region finanziell trotzdem Lebensfähig ist? Nein, es geht nicht um “Zweitwohnungssteuer”, sondern um die Frage, ob solche Menschen, egal ob durch Geld oder andere Initiativen, helfen, die wichtige Funktion solcher Regionen für Ökologie, Landwirtschaft und Tourismus zu erhalten und auszubauen.
Wie wärs denn z.B. mit einer Schauspielschule, einer Mal- und Bildhauerakedemie, Kursen für Lokal- und sonstigem Journalismus?
Wer dreht demnächst hier seinen nächsten Film, welche Uni startet hier ihr Forschungsprojekt über die Herausforderungen des demographischen Wandels auf dem Land? Und wie werden die zahlreichen Seminarhäuser der Region in die Organisation, die Unterbringung, die Außendarstellung einbezogen?
Die Liste lässt sich mühelos verlängen!
Es ist einfach eine Tatsache: Es GIBT diesen Landkreis. Und einige wenige in ähnlicher Situation. 10.000 qkm groß, weniger als 50.000 Einwohner.
Dass es hier nicht wie in einer Großstadt aussehen kann, sollte doch allen klar sein.
Die Frage ist nur, ob “solche wie wir” in dem derzeitigen Gesellschaftssystem eine Daseinsberechtigung haben sollen, oder gar eine Zukunft.
Infrastruktur in einem so sünnbesiedelten Landkreis kostet. Und die Gelder müssen aufgebracht werden – von “uns”, so weit möglich, bitte. Aber auch von “den anderen” – dem Restvolk. Vom Staat.
Es kann nicht angehen, überall, wo es nichts zu sparen gibt, “sparen” zu wollen.
Klar erscheint es absurd, für so wenige Schüler Schulen erhalten zu wollen. Aber so sollen Kinder und Jugendliche lernen? Fragt doch mal bitte eine großstädtischen Elter, ob sie den Kids zumuten würden, eine Stunde im Bus zu sitzen, um die Schule zu erreichen. Und danach nochmal eine. Und wenn sie den einen Bus verpasst haben, sich abholen lassen müssen. Die würden sich mehrfach mit dem Zeigefinger an die Stirn fassen!
Wie hoch ist das Durchschnittsalter der Landkreis-Autofahrer? Wie das bspw. der Harburger?
Ich habe vor zwei/drei Jahren an einem Symposium gemeinsam mit Vertretern des Landkreises Lüneburg teilgenommen, bei dem es auch um gemeinsame Entwicklung und Strukturen ging. Die LGer haben gar nicht verstanden, wo denn bitteschön Probleme mit ÖPNV bestehen sollen. Die Busse fahren doch in ausreichenden Abständen, erreichen fast jedes Dorf, und der Rest wird mit Sammeltaxis – als große Ausnahme – bedient. Ach, in DAN gibt es Dörfer, die noch nie in den letzen Jahren einen Linienbus gesehen haben? Hhmm, das glauben wir nicht…
Nein, wir MÜSSEN endlich selbstbewußt werden! Nicht klein beigeben!
Oder “die” sollen endlich konsequent sein. Den Landkreis zum Sperrgebiet erklären, die Menschen hier evakuieren, und alles ander plattmachen – ein Vorzeige-Naturreservat-Museum entwickeln!
Dann stört auch ein Zwischen-End-lager nicht wirklich. Dann ist wirklich ein Plätzchen zu finden, für die über 1000 Castoren, die an den AKW geparkt werden.
Ernsthaft, im Landkreis sind so viele Ideen entwickelt, Konzepte ausprobiert worden. Was wäre mit einer Energiewende, ohne die Vorarbeiten hier? Wie wurden die ersten Bürger-Windanlagen verlacht. Biogas. PV-Anlagen. Nun gehören die großen Windparks irgendwelchen RWEON-Tochterfirmen…
Wir haben längst unsere Hausaufgaben gemacht! Wir müssen nicht um Geld betteln! Wir haben das Recht auf angemessene Srukturen! Die bezahlt werden müssen!
Wen der “Macher” von “Metropolregionen”, die bis nach Brandenburg reichen, schert es, ob ein Landkreis Lüchow-Dannenberg irgendwann mit LG oder UE fusioniert. Die Kohle wird woanders gemacht. Nicht bei, und schon gar nicht mit Den Armen Nachbarn.
Die gehören einfach ins Jammerholz!
Als ehemaliger DAN´ler habe ich gewissermaßen Schmerzen mit dem Gedanken an den Verlust der “alten Heimat”!
… doch bin ich nach über 20 Jahren Abwesenheit der Meinung, dass man mit Streuobstwiesen, Ferien auf dem Bauernhof, Elbtalaue hier – Elbtalaue da und sonstigem “Ökokram” den Landkreis DAN in die Steinzeit katapultiert hat.
Spätestens nach dem 3. Oktober 1990 hätte ein Zug “Zurück in die Zukunft …”
fahren müssen.
Vielleicht hilft ja jetzt eine “Wiederauferstehung” der Republik Freies Wendland, ähnlich der Verwaltungsstrukturen und der Dorforganisation auf “1004″.
Wo sind denn jetzt die damaligen “Träumer” ???
Gleiche Diskussionen und Probleme gab es aber auch bei den Kreisgebietsreformen in meiner neuen Heimat in “Meck-Pom”. “Gefühlsduselei” können wir uns leider heute nicht mehr leisten, auch wenn es schmerzhaft ist.
Und im Übrigen ist eine Fusion für den Kreis Dannenberg und den Kreis Lüchow nicht unbedingt etwas Unbekanntes …
Trotzdem wünsche ich viel Erfolg!