Regiogeld: Die Informationsbasis

WIR BITTEN UM EURE MITHILFE:

Welche Erzeuger im Landkreis gibt es? – Unterstützt uns beim Zusammentragen unserer Ressourcen!

Die Arbeitsgruppe “Regiogeld” von DAN-KE und wendepunktzukunft.org will durch die Einführung eines einfachen Gutscheinsystems die Produktionswirtschaft für die alltägliche Versorgung innerhalb des Landkreises stärken. Ziele sind

  • die Schaffung und Unterstützung von Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften, was den Erzeugern eine verlässlichere Basis gibt als die Abhängigkeit von Großhandel und Weltmarktpreisen
  • die (Mit-)Entwicklung einer optimalen Verteilung an die verschiedenen “Marktplätze” (Läden und sonstige Verteilstationen)
  • das Aufspüren von bisher ungenutzten Ressourcen einerseits und Angebotslücken andererseits, die wir sinnvoll füllen können
  • den Landkreis widerstandsfähiger für Krisenzeiten zu machen (Stichwort “Resilienz”)

Als Basis wollen wir eine Liste aller Erzeuger des täglichen Bedarfs im Landkreis zusammenstellen. Hier gibt es viele kleine Produzenten hochwertiger Lebensmittel, von denen man oft nur durch Zufall erfährt – deshalb brauchen wir eure Unterstützung.

Wo sitzen im Landkreis die Bauern und Gärtner, die ihr leckeres Gemüse, Obst, Kräuter u.a. direkt verkaufen (wollen)?

Wo sitzen die kleinen Erzeuger von weiterveredelten Genüssen wie Käse, Joghurt, Butter, Quark – oder auch Tofu? Wo verstecken sich kleine Backstuben, die auch ab Backofen verkaufen und/oder weitere Absatzwege suchen? Wo gibt es Fleisch und Wurst von glücklich aufgezogenen Tieren oder gar ein Suppenhuhn, das versonnen in der Erde scharren durfte?

Was sind eure Lieblingsproduzenten und Geheimtipps – denen ihr dennoch eine größere Verbreitung wünscht?

Qualitativ freuen wir uns über Bio-Anbieter, aber wir wissen auch, dass Bio-Zertifizierungen teuer sind und manches schwer in reiner Bioqualität herzustellen ist. Da die Wege im Landkreis kurz sind, bauen wir hier auf Qualität durch Vertrauen und nehmen gerne auch gute Produkte ohne offizielles Biosiegel in die Liste mit auf.

Am hilfreichsten sind eure Tipps, wenn sie folgendes umfassen:

  • Name, Adresse, Kontaktdaten
  • Produkte, Qualität (bio zertifiziert / praktisch bio aber nicht zertifiziert / konventionell)
  • Eure persönliche Kurzbeschreibung / Empfehlung des Angebots

Bitte sendet eure Tipps an: mitmachen[at]wendepunktzukunft.org

Wir setzen uns dann mit den Anbietern in Verbindung und klären, ob sie an einer Vernetzung und Veröffentlichung sowie an der Teilnahme an einem Regiogeldsystem interessiert sind.

DAN-KE!

Regiogeld – was ist das und was bringt es für unseren Landkreis?

Regiogeld ist eine Art Gutscheinsystem, mit der Waren und Dienstleistungen in einer festgelegten Region getauscht werden können – unter den Anbietern und Kunden, die sich dem System anschließen. In der Regel ist der Regiogutschein eurogedeckt und wird im Kurs 1:1 an den Ausgabestellen eingetauscht.

Entscheidend ist: Das Gutschein- oder Geldsystem ist zinslos und enthält somit keinen Anreiz, es anzusammeln und damit dem Wirtschaftskreislauf zu entziehen. Im Gegenteil haben viele dieser alternativen Systeme sogar einen gewissen Wertverlust mit eingebaut, der als Anreiz dient, das Alternativgeld möglichst schnell wieder auszugeben – und damit den Wirtschaftskreislauf einer Region in Schwung zu halten.

Ein solches Regio-Gutscheinsystem stärkt Wirtschaft und Sozialsystem einer Region auf verschiedene Weise:

  • Die Nutzung des Regio beim Einkauf führt dazu, dass das “Geld” in der Region bleibt und verstärkt die Nachfrage nach regionalen Angeboten. Die Wertschöpfung vor Ort wird verstärkt, die Entwicklung neuer Angebote, die vorher “importiert” wurden, gefördert. Auf diese Weise entstehen engere Bindungen zwischen Erzeugern und Verbrauchern und mehr bezahlte Arbeit in der Region, es entwickelt sich eine Aufwärtsspirale.
  • Die Trennung von “Produzenten” und “Konsumenten” wird aufgebrochen, im Regio-Gutscheinsystem ist der einzelne Teilnehmer “Prosument”: Er kauft seinen Alltagsbedarf mit dem Regiogeld ein und bietet selbst wiederum Leistungen gegen Regios an, wie in einem Tauschring. So können Menschen wieder aktiv am Wirtschaftskreislauf teilnehmen, die im konventionellen Geldsystem davon ausgeschlossen sind – und tragen auf diese Weise dazu bei, die Region zu stärken.
  • Die Stoffströme, die Waren- und Dienstleistungsflüsse in der Region werden sichtbarer gemacht. Die eigene Wirkmächtigkeit wird bewusster und zeigt sich unmittelbar im wachsenden Handlungs- und Gestaltungsspielraum des Einzelnen. Die enger werdende Verflechtung eines Netzwerks von Prosumenten trägt bei zur Identifikation mit der Region und der ideellen und materiellen Stärkung ihrer Strukturen.
  • Auf diese Weise wird die ganze Region selbständiger, krisenfester, auch unter schwierigen Bedingungen leichter in die Lage versetzt, sich selbst zu versorgen – und darüber hinaus eine wichtige Versorgungsstütze der Ballungsgebiete. Man spricht hierbei von der “Resilienz“, der Widerstandsfähigkeit einer Region.

Es gibt in Deutschland mittlerweile um die 70 Regiogeld-Initiativen. Die älteste startete 2001 in Bremen mit dem Roland; die bekannteste ist wohl der Chiemgauer, der seit 2003 existiert. Im Landkreis Lüneburg wird mit dem Lunar gewirtschaftet, in Hamburg bereitet man die Hansemark vor.

Ein Überblick über verschiedene Systeme ist unter regiogeld.de zu finden.

Ein älteres eindrucksvolles Beispiele ist z.B. das Freigeld von Wörgl, das in den Krisenjahren 1932/33 half, die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in der österreichischen Region wesentlich zu mildern.

Zur selben Zeit entstand in der Schweiz das zinslose Buchgeldsystem des “WIR”, das bis heute existiert und ein Netzwerk von ca. 60.000 kleinen und mittleren Unternehmen umfasst (informative Seite mit Einführungsvideo).

In unserer Regiogeld-Gruppe planen wir für Lüchow-Dannenberg zum Einstieg ein einfaches, Euro-gekoppeltes Gutscheinsystem, das verbunden ist mit einer Bürgerstiftung als Ausgabestelle. Diese wiederum kann mit dem eingetauschten Geld arbeiten und Initiativen vor Ort unterstützen. So kann das Regiogeld auf doppelte Weise zur Stärkung der Region beitragen.

* * *

Auf SWR2 ist ab heute, 5. Juli, eine aktuelle Radiosendung zum Thema zu hören: “Wer regiert das Geld? Margrit Kennedys Kampf für alternative Geldsysteme”.

 

Von den Griechen lernen?

Bei den Griechen kann man derzeit beobachten, wie man sich am eigenen Schopf aus der Misere zieht, wenn man sich auf seine Stärken besinnt. Das Agrikulturvolk, das global Spitzenplätze in der Produktion von Schafskäse, Oliven(öl), Kiwis und Pfirsichen belegt und auch mit vielen weiteren Feldfrüchten aus heimischer Produktion aufwarten kann, schaltet den teuren Zwischenhandel und die importierten Konkurrenzprodukte aus und organisiert via Internet den Direktverkauf (Artikel vom 29.6.12 in Spiegel online).

Ein Blick auf unseren von bäuerlicher Landwirtschaft und kleinen Produktionsstrukturen geprägten Landkreis wirft die Frage auf: Wieviel Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch, Backwaren usw. mögen wohl von außerhalb in unseren Landkreis importiert und verkauft werden – und damit die heimische Wertschöpfung schmälern? Und wenn diese Nachfrage angeregt würde, würden dann nicht weitere Nischen erschlossen und neue Produkte entwickelt werden?

Genau um dieses Thema kreisen wir gerade mit den Plänen zur Einführung einer Regionalwährung. Die bestehende Stoffströme sichtbar machen kann, die identitäts- und bewusstseinsbildend wirkt und die anregt, brachliegende Ressourcen zu erschließen und auszubauen.

Dazu gehört die Bildung und Weiterentwicklung von Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften: Viele im Landkreis verteilte Stationen auf  Höfen, die dort ihre Produkte und die von Partnerbetrieben zur Abholung anbieten. Die Menschen, die sich dort versorgen, sorgen gleichzeitig durch ein vereinbartes Maß an Verbindlichkeit für die nachhaltige Stabilität und Weiterentwicklung  “ihres” Betriebes. Schrittweise befreien wir so unsere Erzeuger vor Ort vom Preisdiktat des Großhandels und durch die globale Spekulation mit Lebensmitteln.

Auch Privatleute könnten so ihre Überschüsse aus dem Garten zu Markte tragen. Dazu alle möglichen Alltagsdienstleistungen, die das Zusammenleben erleichtern und bereichern.

Kommt sicher vielen von euch bekannt vor, Stichwort Tauschring, und auch Ansätze zu einer Regionalwährung hat es bereits gegeben. Manches braucht seine Zeit zu reifen. Aber es wäre dumm, so lange warten, bis uns zentralisierte Strukturen aufgezwungen werden, die regionale Aktivitäten eher erschweren.

Auf geht’s! Vielleicht gibt’s die ersten Äpfel schon in diesem Jahr für Regiogeld zu kaufen. Und wer bringt das Kultprodukt Apfel mit X-Abzeichen auf den Markt?

Gesunde Demokratie in Lüchow-Dannenberg

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg ist nicht nur, wie auf der Kreistagssitzung gestern festgestellt wurde, der mit den bundesweit meisten Eseln. Einer heutigen Meldung der EJZ ist zu entnehmen, dass die Demokratie in dieser Region im Vergleich zum übrigen Niedersachsen pumperlXund ist: Landesweit nimmt das Interesse der Bevölkerung an aktiver Teilnahme in der Kommunalpolitik signifikant ab. Nicht so in Lüchow-Dannenberg: Der kleinste LK ist Spitzenreiter mit 24,4 Kandidaturen pro 1000 Einwohnern, der nächstfolgende liegt abgeschlagen unter 20, die Schlusslichter krauchen bei 2,4 Kanditaten herum. Weiterlesen

Warum der Kreiserhalt die Region zukunftsfähig macht

Das Buch “Hinterwalden – Berichte eines Dienstes im Wendland 1959–1982″ von August Quis, der im Landkreis in leitender Position in der Bauverwaltung tätig war und sich bereits in den Siebziger Jahren für den Erhalt des Landkreises einsetzte, ist ein richtungsweisendes Zeitdokument, das uns von seinem Sohn Wolfgang Quis zugeleitet wurde. Seine überraschende Aktualität, die Gründe und Perspektiven für einen Kreiserhalt, lohnen, sich dieses äußerst anschauliche und kurzweilige Werk näher anzusehen.

“Als ich in Uelzen war, dachte ich, jetzt hast du es bald geschafft”, so der damalige Landesvorsitzende der niedersächsischen CDU, Wilfried Hasselmann, als er 1973 zur 600-Jahr-Feier von Schnackenburg als Ehrengast mit halbstündiger Verspätung eintraf. “Denkste! Trotz freier Straßen habe ich mehr als anderthalb Stunden gebraucht und ich dachte daran, wie es den Schnackenburgern ginge, wenn sie einmal zur Kreisverwaltung müssen. Solange ich in der Politik etwas zu sagen habe, wird Lüchow Kreissitz bleiben.” Er hielt Wort.

Dem glücklichen Zusammenspiel der vehementen Willensbekundung der Bevölkerung und der Kooperation weitsichtiger Politiker ist es zu verdanken, dass der Landkreis Lüchow-Dannenberg seinerzeit nicht als entlegener Wurmfortsatz des Landkreises Uelzen endete. Maßgeblich gewirkt hat hier August Quis, der 1959 aus dem Raum München in den Landkreis kam, und als Kreisbaurat und schließlich, bis 1982, als Kreisbaudirektor mit großer Hingabe und Gestaltungskraft seinen Dienst an der heimischen Bevölkerung wahrnahm. Mit 39 Jahren hatte der studierte Architekt und umfassend gebildete Humanist seine Lebensaufgabe gefunden, die ihn bis weit über den Renteneintritt hinaus erfüllte. Gezielt hatte er sich dafür diesen Landstrich ausgesucht; mit dem Blick für Natur- und Kulturschätze und wertvolle Ressourcen in einer Zeit der Verstädterung und rücksichtslosen Landausbeutung hatte er sofort den Wert und das Potenzial der Region erkannt. Ähnlich denkende Mitstreiter halfen bei einer zukunftsgerichteten Entwicklung einer Region, die “wie keine andere als Rekreationsraum für den Menschen geeignet“ sei ( Ilse Rauchbach, Bauleitplanung).

Nach dem Krieg war durch die Grenzabriegelung das bisherige Versorgungszentrum Salzwedel für die Bevölkerung weggefallen. Um den Landkreis nicht demografisch ausbluten zu lassen, mussten sehr schnell Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt werden. Die Herausforderung, mit geringen Haushaltsmitteln auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasste Lösungen zu erarbeiten, gelang August Quis in enger Zusammenarbeit mit engagierten Mitarbeitern und seinen weitsichtigen Vorgesetzten, Oberkreisdirektor Oskar Lübbert und seinem Nachfolger Wilhelm Paasche. In kurzer Zeit bekamen Lüchow und Dannenberg Gymnasien und ein Kreiskrankenhaus. Quis und seinen Mitarbeitern gelang es dadurch, dass die weitaus meisten Facharbeiten in Planung und Architektur selbst geleistet wurden, nicht nur jede Menge Geld zu sparen, sondern sogar noch Einkünfte für den Kreishaushalt zu erzielen. Bei Entwürfen für Baumaßnahmen des Kreises wurde darauf geachtet, eher kleinstrukturierte und damit an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Lösungen zu entwickeln. Dabei wurde zwar mit höherem Personaleinsatz gearbeitet, aber so kamen auch kleinere, einheimische Unternehmer zum Zuge. Letztlich erwies sich diese Strategie meist sogar als kostengünstiger und es blieb mehr Geld im Landkreis, der “innerregionale Nutzen war größer”.

Eine Wende dieser nachhaltigen Politik trat ein, als der Landkreis als Endlager für Atommüll, zwischenzeitlich auch als Standort für eine Wiederaufarbeitungsanlage gigantischen Ausmaßes ins Auge gefasst wurde. Die Gorleben-Gelder sorgten dafür, dass die Augen der Kreispolitiker “mit Geldscheinen verklebt” wurden (Ernst Schulz, Fraktionsvorsitzender der Deutschen Partei). August Quis, der mit großer Umsicht und systemischem Denken in einer Zeit, als dieser Begriff noch nicht zum allgemeinen Wortschatz gehörte, klug und nachhaltig gewirtschaftet hatte, musste mitansehen, wie die Kreispolitik die frischen Gelder zum Fenster hinauswarf. So wurde das neue Kreishaus, nach Einschätzung von Quis, nicht nur um 6 Mio. DM zu teuer, sondern produzierte durch Fehlplanungen im weiteren Betrieb auch hohe und vermeidbare Folgekosten.

Es kann als Ironie der Geschichte gesehen werden, dass der spätere Vorstandsvorsitzende der DWK (Deutsche Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen) Salander bemerkte, die DWK müsse dem Widerstand dankbar sein, dass er sie durch die Verhinderung der Wiederaufarbeitungsanlage vor einer gigantischen Fehlinvestition bewahrt habe.

Der Widerstand gegen die Nutzung des Landkreises als Atommülllager und damit das Engagement für die Bewahrung der natürlichen Ressourcen der Region darf getrost als ein wesentlicher Standortfaktor dieses Landkreises angesehen werden. Insbesondere steht das Wendland wie kaum eine andere ländliche Region für eine “Kultur des Alltags” (niedergelegt im “Bussauer Manifest” von 1975, das dem Buch beigefügt ist), “wie sie sich nur über Jahrhunderte zu entwickeln vermag: In bodenständiger Baukunst, in der Qualität von Gebrauchsgegenständen, in Volkskunst, Religiosität und einer über Generationen gestalteten Landschaft.”

Ein weiterer Standortfaktur sind die Naturschätze der Region, die in dieser Dichte und landschaftlichen Vielgestaltigkeit ihresgleichen suchen und über die der große Förderer des Naturparks Lüneburger Heide Dr. h. c. Töpfer vor Ort bekannte, dies sei der “schönste und attraktivste Naturpark, den er gesehen habe” – ein Erbe und eine Ressource, die die aktuelle Kreispolitik für kurzfristige Sparmaßnahmen soeben auf die Streichliste gesetzt hat.

Der weitsichtige August Quis strich bereits vor Jahrzehnten heraus, dass die große Chance für den Landkreis darin besteht, die vielfältigen Angebote in Kultur und Naturerlebnis sinnvoll miteinander zu vernetzen und das Potenzial als “Rekreationsraum” für Zuwanderer ebenso wie für Besucher besser auszuschöpfen. Daran, dass dies viel besser gelingen kann, wenn der Landkreis als Verwaltungseinheit belassen bleibt, ließ er keinen Zweifel: Die drei Kleinstädte Lüchow, Dannenberg und Hitzacker fungieren gemeinsam wie ein Mittelzentrum, das eine breite Palette an Angeboten für die Bevölkerung wie auch für Besucher abdeckt und bietet erst zusammengenommen die breite Fülle an Ressourcen, die einander ideal ergänzen und für Erholungssuchende keine Wünsche offen lassen.

Auch die ansässigen Unternehmen profitieren von der hohen Lebensqualität: Die Firma SKF beispielsweise, die sich durch einen glücklichen Zufall in den frühen 60er Jahren entschied, hier zu produzieren, musste ihre Standortwahl nie bereuen. Die Mitarbeiter waren weniger krank als an anderen Standorten, dazu “lernwilliger und werkstreuer. Sie erbrachten Leistungen, die weit über dem Durchschnitt standen”. Das führte dazu, dass das Werk Lüchow um 1970 grundlegend modernisiert wurde, während ein Werk im Saarland mit 400–500 Arbeitsplätzen geschlossen wurde.

All diese Qualitäten sind ideale Basis für ein Standortmarketing – um Menschen als Neubürger zu gewinnen, für ein Leben und Arbeiten unter Qualitäten die woanders längst verloren gegangen sind, von deren Wiedergewinnung aber viel für die weitere Entwicklung der Gesellschaft und Wirtschaft, ja des Lebens auf diesem Planeten abhängt. Die jetzige überschaubare Größe des Landkreises böte den idealen Rahmen für ein prägnantes Profil nach außen und für die Einrichtung einer konzentrierten Modellregion, in der die vielen einzelnen Kräfte gut vernetzt an kreativen Lösungen arbeiten.

Das demographische Schreckgespenst – das gebetsmühlenhaft wiederholte und fast alleinige Argument, die absehbar schrumpfende Bevölkerung werde dem Landkreis die Überlebensgrundlage nehmen, kann nur Einladung zur Widerlegung sein durch das, was viele in diesem Landkreis täglich erleben, wie gerade wieder bei der Kulturellen Landpartie. “Wir wollen von euch leben lernen”, so wörtlich ein ansiedlungswilliger Besucher auf dem Hof der Lufts in Weitsche. Jetzt schon ist die Zuzugsrate höher gegenüber der Zahl der Menschen, die den Landkreis verlassen. In Zeiten, in denen zunehmend auch Angestellte dezentral arbeiten können und in denen Ausbildungen wichtiger werden, die Kreativität, selbständiges Lernen und vielfältige Praxiserfahrung ins Zentrum rücken, bietet die Region mit der Akademie für erneuerbare Energien und einem kreativ-handwerklichen Umfeld von Neu Darchau bis Schnackenburg und von Bergen bis Hitzacker einen fruchtbaren Nährboden, der nur darauf wartet, beackert zu werden.

Ansätze visionärer Ideen werden in diesen Tagen allerdings schnell – zu schnell? – als nicht gesetzeskonform und damit aussichtslos abgeurteilt, wenn sie nicht den üblichen Schienen folgen. August Quis bewies vielfach, im regionalen Maßstab wie auch im persönlichen Einzelfall, dass auch im Rahmen bestehender Gesetze immer Wege zugunsten der Interessen der Menschen gangbar sind. Einer seiner Lehrmeister in Rechtsfindung, der Regierungsrat Hemmel aus Fürstenfeldbruck, sagte: “Zuerst frage ich immer nach dem gesunden Menschenverstand, dann erst suche ich die gesetzlichen Bestimmungen, die meine Ansicht stützen.” Sein Chef Oskar Lübbert bestärkte ihn in dieser Leitidee des Dienstes am Bürger: “Sie werden wohl noch zwischen Gesetzen, Verordnungen, Ministerialerlassen und Richtlinien unterscheiden können?” Quis konnte – und er schöpfte seinen Handlungsspielraum zugunsten der Interessen der Bürger und der Entwicklung der Region voll aus, scheute sich auch nicht, ihn manchmal, entsprechend dem gesunden Menschenverstand etwas auszudehnen.

Gute Beziehungen zu Politikern auf Landesebene, die sich oft vor Ort von den Vorzügen der Region überzeugen ließen, machten gesetzliche Regelungen möglich, die dem Landkreis sehr zugute kamen. So kam unter dem Ministerpräsidenten Niedersachsens Georg Diederichs im Zuge einer Gemeindereform ein Gesetz zustande, das hinter vorgehaltener Hand “Lex Lüchow-Dannenberg” genannt wurde. Jede Gemeinde unter 500 Einwohnern wurde für die finanziellen Zuwendungen vom Land so gestellt, als ob sie 500 Einwohner hätte. Als Region mit den weitaus meisten Kleinstgemeinden im Land profitierte der Landkreis in besonderem Maße von dieser Neuregelung. Und Georg Diederichs, der Kenner des Wendlands, hatte sein Ziel, dem benachteiligten Landstrich wirksam zu helfen, erreicht.

“Keine Idee kann verrückt genug sein, als dass sie für die Überlebensfähigkeit dieses so schwer benachteiligten Landkreises nicht ins Auge gefasst werden müsste”, erklärte der Landesplaner Dr. Dietrich bereits Anfang der 60er Jahre auf einem Besuch anlässlich der Planung der Elbuferstraße. Es war damals schier undenkbar, die Straße nicht einfach unten am Elbufer entlang zu bauen, sondern oben auf den Kamm des Steilufers zu verlegen, wo sie für Ausflügler eine besondere Attraktion darstellen würde. Über Bestimmungen, welchen Steigungswinkel Kreisstraßen maximal einzuhalten hätten, setzte sich Quis mit Verve hinweg: “Das lassen Sie ruhig meine Sorge sein. Wenn die Laster wegbleiben, ist dies umso besser, das ist eine Ausflugsstraße.”

Mit dieser und unzähligen weiteren Aktivitäten, in denen er die Verantwortung für die Bürger seines Landkreises an die erste Stelle setzte, vertiefte August Quis den bestehenden Reichtum des Wendlandes. Sein wunderbar unterhaltsames Buch voller Anekdoten ist eine einzige Aufforderung, dieses Erbe nicht zu verspielen, sondern beherzt zu ergreifen und weiterzuentwickeln. Mit einem lebendigen Gefühl für die Werte und die Lebensqualität dieses Landstriches eine gemeinsame Vision zu entwickeln und in vielen gut koordinierten Schritten engagierter Bürger zusammen mit ihren Vertretern in der Politik und Dienstleistern in der Verwaltung zu realisieren.

Um diese Inspirationsquelle zu verbreiten und die Vision für diesen Landkreis weiter anzufachen, wollen wir in nächster Zeit Lesungen veranstalten, mit eindrücklichen Episoden aus “Hinterwalden” und Gesprächsrunden mit Menschen, die das Wirken von August Quis noch miterlebt haben. Wir halten euch auf dem Laufenden. Stay tuned – bleibt am Ball!

 

Lüchower Treffen zum Kreiserhalt am 21. Mai

Mit der dritten Zusammenkunft zur Kreisrettung gingen wir gestern abend im Lüchower Ratskeller in den konkret-konstruktiven Teil über.

Für die Mobilisierung in den nächsten zwei Wochen wurde aufgerufen

  • Plakate und Unterschriftenlisten zu verteilen
  • persönlich mit Menschen zu sprechen
  • das Gespräch mit Politikern zu suchen
  • Kleinanzeigen in der Fundgrube zu schalten
  • Weiterlesen

Dannenberger Treffen zum Kreiserhalt am 14. Mai

Beim gestrigen Treffen waren etwas weniger Teilnehmer als auf dem ersten Gesprächsabend am 2. Mai, geschätzte 40–50 Leute. Aber die Stimmung habe ich als positiver und konstruktiver wahrgenommen als beim letzten Mal. Den Tenor setzte Mitorganisator Thorsten Hensel mit dem Appell: “Wir brauchen einen Neustart für Lüchow-Dannenberg, damit es keinen Abbruch, sondern Aufbruch gibt”, und betonte dabei die Wichtigkeit der guten Kooperation aller Kräfte im Landkreis. Weiterlesen